realsales-logo

Da ich beruflich recht eingespannt war, habe ich seit August keinen Artikel mehr verfasst. Daher muss ich jetzt endlich einmal etwas posten.

Moment, Moment, Moment. Natürlich muss ich nicht, ich muss gar nichts, ich darf natürlich. Oder ich will, weil ich es kann. Manchmal denke ich umso länger ich nichts schreibe umso dringlicher wird es. Oder wird es desto dringlicher desto länger es dauert ? Hm, egal. Wie es wirklich heißt,  weiß ja ohnehin kein Mensch mehr. Vielleicht könnt ihr mir ja einige Verbesserungsvorschläge schicken, die ich dann beherzigen würde  werde (Konjunktiv darf man ja auch nicht. Also lieber die glatte Lüge, dass ich es ohne Abwägung auf jeden Fall tun werde). Und Quatsch, nein, Ihr macht mir bitte keine Verbesserungsvorschläge, denn das würde ich als aggressive Bevormundung empfinden. Ihr gebt mir natürlich nur Impulse. Ist deutlich weniger aggressiv !  Man soll ja keine Verbesserungsvorschläge machen. Dabei fällt mir ein „man“ soll ja auch man durch „ich“ ersetzen. Also nochmal: Ich soll ja keine Verbesserungsvorschläge machen. (Passt wirklich besser, denn ihr solltet sie ja machen, nicht ich). Und wenn ich mich dann bei Euch bedanke, dann müsst ihr immer mit „gerne“ oder „sehr gerne“ antworten. Oups, müsst ihr natürlich nicht, ihr wollt so antworten, weil ihr es könnt ! Oder weil ihr es dürft ?? Auf jeden Fall nicht mit „kein Problem“ antworten, weil es ja keine Probleme gibt. Also wenn überhaupt dann bitte mit „keine Herausforderung“ antworten. 

Lion
Wenn Du Verbesserungsvorschläge hast, kannst Du so gesehen werden wie er hier.

Oha, seit ich versuche mich diesem schwammigen Weichspülsprech anzupassen komme ich ins Trudeln und scheitere öfter daran. (Und nein, heute geht es nicht ums gendern) Wahrscheinlich weil „ich versuche“ bereits den Ansatz zum Scheitern beinhaltet, wie ich auf einem schlauen Post in einem Social Media Netzwerk gelesen habe… 

Es wundert mich, dass selbst Menschen, deren Beruf Sprache ist (etwa Journalisten im TV) kaum in der Lage sind, einen Satz in ihrer Muttersprache geradeaus zu sprechen, wir aber dann Sprachgebrauch wie den oben teilweise aufgezeigten tatsächlich als Mehrwert verstehen – oder verstehen wollen.

Damit wir uns richtig verstehen, ich liebe Sprache. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe mit der Zeit noch ein Paar andere draufgelegt, eben weil ich Sprache liebe. Auch in meinem Beruf ist sie ein extrem (oder sollte ich mich dazu hinreißen lassen extremst zu sagen?) wichtiges Werkzeug. Sowohl im Verkauf, als auch in der Personalführung. Von dem her, ähm ich meine natürlich von daher, befürworte ich natürlich den bewussten und gezielten Umgang mit Sprache. Ich habe mich in all den Jahren in Vertrieb und Führung natürlich eindringlich damit beschäftigt. Rhetorik, NLP, GfK, Körpersprache und einiges mehr. Ich respektiere die Ansätze, ja, auch den von Marshall Rosenberg. Aber wie immer im Leben, hört es da auf, wo das Maß überschritten wird oder Dogmen errichtet werden. Und es kommt auch immer auf die Personen an und die Art, Sprache zu verwenden. Ich kann nämlich dumm wie Brot sein, aber nicht grösser wie meine Schwester. Wenn ich nun aber grösser wie meine Schwester bin, dann berufe ich mich wohl auf den Satz eines sogenannten „Kommunikationsexperten“, den ich kürzlich in einem Business Netzwerk gelesen habe. Der Experte behauptete dort ernsthaft: „ich mache die Dinge, die ich machen muss, weil ich sie machen will“. Man möge darüber mal ernsthaft nachdenken….

Darfst Du nicht benutzen

Ich lese von „Experten“ sogar die dringenden Ratschläge Worte wie richtig, falsch, müssen, sollte, gut, schlecht und noch viele mehr aus seinem Sprachgebrauch streichen.

Das kreiert schon praktische Probleme. Verzeihung, Herausforderungen. Wird dann aus „Gut gemacht! “ nur noch „Gemacht !“ ? Oder stellt man ein anderes Wort voran wie z.B. „Einigermassen gemacht !“ Und aus „Du solltest mal wieder Deine Oma anrufen“ wird dann „Du darfst wieder mal Deine Oma anrufen“ ? Ist das besser ? Klingt das zweite nur für mich eher nach Sarkasmus ? Schwierig. Und wenn gut, schlecht, richtig und falsch gestrichen sind, was ist denn dann mit all den Dingen, die gut, schlecht, richtig oder falsch sind ? Sind die dann etwas anderes ? Oder sind die gar nichts mehr?

Mathematik habe ich schnellstmöglich abgewählt, aber wenn ich errechne 1+1= 3, ist das heute dann nicht mehr falsch ? Vielleicht brauche ich nur einen Impuls ? Und a propos Mathematik, meine Landsleute verwenden für eine Matheaufgabe den Begriff „problema“. Haben die nun ein Pro…eine Herausforderung ?

Words 2 scaled
don‘ t come eaasy…..

Seid doch einfach echt und ehrlich !

Wie gesagt, ich habe nichts gegen gewaltfreie Sprache. Ich habe aber etwas gegen falsche Verwendung von Sprache. „Umso heißer es wird umso mehr muss ich trinken“ ist schlicht und ergreifend FALSCH. „Je heisser es wird, umso (oder gerne auch desto) mehr muss ich trinken“. Das eine klingt GUT und das andere SCHLECHT. Basta.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sprache auch dazu herangezogen wird, immer schön oberflächlich zu bleiben und eben nicht wirklich auf den Menschen einzugehen bzw. mir zu erlauben das nicht tun zu müssen. (Was denn ich habe doch im gesamten Gespräch mit ihm keine bösen Worte verwendet ? Er muss sich doch jetzt wohlfühlen und meine so transportierte Kritik annehmen !) Selbstverständlich kann Sprache wehtun und Worte können verletzen. Jeder von uns hat es erlebt und jeder wohl auch schon getan. Aber eben deswegen sollten wir sie gut beherrschen und bewusst einsetzen. Sie mit Dogmen zu belegen halte ich für sinnlos. Oder ergibt es irgendeinen Sinn, „Problem“ gegen „Herausforderung“ zu tauschen ? Mir wurde z.B. beigebracht, dass das Erkennen eines Problems der erste Schritt zur Lösung ist. Fällt dieser erste Schritt nicht aus, wenn ich das Problem nicht einmal als solches benennen darf ? Ist es sinnvoll jungen Menschen, auch im Beruf, beizubringen, dass es keine Probleme gibt, sondern nur Herausforderungen ? Was ist böse daran, einen Vorschlag zu machen ? Warum soll ich das stattdessen Angebot nennen ? Vielleicht weil ein Vorschlag mir auch nachdem ich ihn unterbreitet habe noch Mühe machen kann, während beim Angebot der andere mit ja oder nein reagieren muss und ich dann fein raus bin ? Die Apollo Crew erwartete bei ihrem Funkspruch sicher keine Impulse, sondern eher Hilfe und Lösungen. Zumindest aber doch Vorschläge um ihr Problem zu beheben, oder etwa nicht?

Fragt eine junge, alleinerziehende Mutter mit geringem Einkommen ob es Probleme im Leben gibt. Oder jemanden der schwer krank ist. Oder jemanden, der gerade alles verloren hat. Oder schlicht jemanden, der keinen Ausweg findet, egal wie real oder irreal seine Situation ist.

Bemüht Euch doch einfach um echte Empathie im Umgang mit anderen Menschen und Mitarbeitern. dann könnt ihr auch einfach so reden, wie ihr eben redet und werdet trotzdem erfolgreich sein und funktionierende Beziehungen haben. Dann könnt ihr jungen Menschen auch die Wahrheit sagen und ihnen Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie Probleme überwinden, lösen und beheben können. Nicht bloß Worthülsen… Wie bitter und zynisch muss es, besonders im Arbeitsumfeld klingen, wenn jemand sich vor einem Problem stehend sieht und ich das abtue mit „es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen…“ Gerade in unserer heutigen Gesellschaft, wo schwarz-weiß Malerei und die Suche nach einfachen Erklärungen regelrecht gefährliche Dimensionen angenommen haben, ist Substanz wichtiger denn je. Seid einfach immer echt, ehrlich und authentisch. Gebt den Mitarbeitern etwas, womit sie etwas anfangen können und hört auf Euch hinter idiotischen Konzepten zu verstecken.

Glaubt mir, desto mehr Mühe ihr Euch damit gebt, desto einfacher wird es Euch fallen. Das ist besser wie das verhunzen von Sprache oder canceln von Wörtern.

Habe den Artikel gerne für Euch geschrieben, kein Problem ! Ich müsste jetzt mal kurz weg….Jemand muss das lesen um mir zu sagen ob der Artikel gut oder schlecht oder wenigstens besser wie die anderen ist. Umso eher umso besser….